STANDORTKONKURRENZ SUPERMÄRKTE

 
WIRKUNGEN NEUER LEBENSMITTELMÄRKTE

Die Ansiedlung von Lebensmittelmärkten und deren Wirkungen auf bestehende Nahversorgungsstandorte werden in Deutschland häufig kontrovers diskutiert. Dabei stehen die Auswirkungen auf die wohnortnahe Grundversorgung und auf die bestehenden Zentren im Fokus der Auseinandersetzung. Hierzu werden in der Regel Gutachten angefertigt, die den zu erwartenden Umsatzverlust für den Bestand als wesentliches Beurteilungskriterium einsetzen. Diese Prüfung geschieht aber in der Regel erst dann, wenn die Planungen für ein Vorhaben und einen Standort schon sehr weit fortgeschritten und Änderungen dann häufig nur sehr schwierig umsetzbar sind.

 

UMSATZVERTEILUNG, ZENTRALITÄT UND VERKAUFSFLÄCHENDICHTE

Im Wirkungsfeld "Standortkonkurrenz Supermärkte" werden deshalb die zu erwartenden Veränderungen der Kaufkraftbindung durch die Ansiedlung eines neuen Marktes - und somit die zu erwartenden Umsatzverluste für die bestehenden Lebensmittelmärkte dargestellt. Betrachtet werden vor allem tangierte Zentren, also Innenstädte, Stadtteil- und Nahversorgungszentren sowie einzelne bedeutende Versorgungsstandorte im Einzugsbereich.

Ab wie viel Prozent Umsatzverlust von städtebaulich negativen Wirkungen auszugehen ist, kann nach gängiger Auffassung nicht pauschal (etwa mit einem fixen Grenzwert) beantwortet werden, sondern muss immer im Einzelfall abgewogen und entschieden werden. Deshalb liefert RegioProjektCheck hierzu weitere Kennziffern wie Einzelhandelszentralität und Verkaufsflächendichte, die die quantitative Ausstattung im Lebensmittelbereich auf kommunaler Ebene abbilden und aufzeigen, ob auf kommunaler und/oder regionaler Ebene eher eine Über- oder Unterversorgung vorliegt.

 

BERÜCKSICHTIGUNG DES EINKAUFSVERHALTENS

Die Modellierung beruht auf einer deutschlandweit durchgeführten, telefonischen Haushaltsbefragung in unterschiedlichen siedlungsstrukturellen Kontexten. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Konkurrenzsituation in den Kommunen und der Region wurde daraus in Abhängigkeit vom Betriebstyp und der Entfernung zwischen Wohnort und Lebensmittelmarkt die Einkaufswahrscheinlichkeit eines Haushalts/einer Person zum jeweiligen Markt abgeleitet (Kaufkraftbindung). Bezieht man nun die vorhandene Kaufkraft vor Ort in die Berechnungen ein, kann daraus der durchschnittliche anzunehmende Jahresumsatz in der Warengruppe Lebensmittel bzw. im periodischen Bedarfsbereich je Standort ermittelt werden.

Die spezifische Konkurrenzsituation in der Region wird dabei durch die georeferenzierte Eingabe der Einzelhandelsbestände in der Region und die daraus abgeleitete Distanzmatrix zwischen Wohnort (auf Basis von Siedlungszellen mit einer Kantenlänge von 250 mal 250 Meter) und Angebotsstandort (Lebensmittelmarkt) berücksichtigt.

 

ERMITTLUNG DER KAUFKRAFTBINDUNG

Im ersten Schritt wird dafür die Bevölkerungsverteilung auf kommunaler Ebene mittels Dichteverteilung auf Siedlungszellenebene disaggregiert und die Kaufkraft im periodischen Bedarfsbereich pro Siedlungszelle errechnet. Auf dieser Basis wird anschließend die durchschnittliche spezifische Kaufkraftbindung pro Siedlungszelle abgeleitet und das Einzugsgebiet jedes Lebensmittelstandortes ermittelt. Die Summe aus anteiliger Kaufkraftbindung pro Siedlungszelle ergibt schließlich den überschlägigen Bruttoumsatz im periodischen Bedarfsbereich pro Markt.

Aus der Gegenüberstellung zwischen den errechneten Umsätzen vor der (geplanten) Ansiedlung des Lebensmittelmarktes und nach Realisierung des Marktes lässt sich ein Delta, d. h. eine Differenz der errechneten Umsätze, ableiten. Diese Differenz stellt die berechneten Umsatzverluste dar, die die bestehenden Märkte im Durchschnitt durch die Ansiedlung des geplanten Marktes zu erwarten haben.

Prinzipskizze: "Geändertes Einkaufsverhalten durch ein neues Nahversorgungszentrum"

Kartengrundlage: ESRI Grundkarte

Beispiel für die Ergebnisdarstellung im Wirkungsfeld "Standortkonkurrenz Supermärkte": Prognostizierte Kaufkraftbindung eines neuen Lebensmittelmarktes

Beispiel für die Ergebnisdarstellung Standortkonkurrenz Supermärkte: Prognostizierter Umsatzverlust durch einen neuen Lebensmittelmarkt auf den Bestand