RPC-Werkzeugkasten ist jetzt unter RPC-Download verfügbar!

WERKZEUGE ZUR REGIONALEN EVALUIERUNG GEPLANTER PROJEKTE

 
REGIONAL BEDEUTSAME PROJEKTE ERFORDERN INTERKOMMUNALE ABSTIMMUNG

In der Siedlungs- und Flächenentwicklung in Deutschland nimmt die regionale Planungs- und Genehmigungsebene eine bedeutende Stellung ein und wird unter anderem bei der Aufstellung von regionalen Raumordnungsplänen und im Genehmigungsverfahren auf Kreisebene einbezogen. Die konkrete Ansiedlung von neuen Wohngebieten, Gewerbeflächen und Einzelhandelsbetrieben erfolgt allerdings auf kommunaler Ebene, während sich die positiven und negativen Wirkungen solcher Vorhaben oftmals nicht nur lokal, sondern auch regional bemerkbar machen. Verschiedene fiskalische, verkehrliche, ökologische und auch soziale Wirkungen enden eben nicht an den administrativen Grenzen einer Gemeinde oder Stadt, sondern gehen vielfach deutlich darüber hinaus und verändern das regionale Gefüge und die Entwicklung der miteinander verflochtenen Städte und Gemeinden.

Den Abwägungs- und Aushandlungsprozessen der Akteure vor Ort aus Politik, Planung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft - die weitestgehend formalisiert sind - kommt in Deutschland dabei grundsätzlich zwar eine große Bedeutung zu. Sie sind aber in der Regel räumlich und fachlich auf Teilräume bzw. auf spezifische Fachthemen beschränkt. Eine frühzeitige Gesamtbetrachtung und Abwägung der unterschiedlichen Wirkungen untereinander findet oft, zumindest bei der Entscheidungsfindung vor dem eigentlichen Bebauungsplanverfahren, nicht oder nur sehr eingeschränkt statt.

 

FRÜHZEITIGE ABSCHÄTZUNG DER FOLGEN VON ANSIEDLUNGSVORHABEN

Hier setzt RegioProjektCheck an. RegioProjektCheck unterstützt die Abschätzung und Bewertung von positiven wie negativen Wirkungen, die durch neue Wohngebiete, Gewerbeansiedlungen und Einzelhandelsvorhaben zu erwarten sind.

Auf Basis von Detailfragen zu Fachthemen erfolgt eine Bewertung, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte betrachtet und auf diese Weise zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf die Planungsentscheidungen Einfluss nehmen kann. Dies gilt auch für Effekte, die über die kommunalen Grenzen hinausreichen.

 

 

BEREITSTELLUNG EINES MODULAR AUFGEBAUTEN WERKZEUGKASTENS

Im Rahmen von RegioProjektCheck werden die Wirkungen neuer Projekte auf die kommunalen Infrastrukturkosten und die kommunalen Einnahmen berechnet, außerdem werden die Verkehrsauswirkungen dargestellt und der Energieverbrauch durch Bau und Betrieb neuer Gebäude ermittelt. Darüber hinaus werden die Veränderungen der ökologischen Wertigkeit von Flächen durch neue Projekte veranschaulicht und die Erreichbarkeit von infrastrukturellen Grundausstattungen und Arbeitsplätzen abgebildet. Zusätzlich wird bei der Neuansiedlung von Lebensmittelmärkten deren Standortkonkurrenz untereinander beschrieben.

RegioProjektCheck kann dabei modular angewendet werden, d. h. die unterschiedlichen Wirkungsfelder können - je nach Relevanz oder dem zur Verfügung stehenden Datenmaterial - einzeln ausgewählt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NUTZER DES NEUEN WERKZEUGSETS - UNTERSTÜTZUNG DER ENTSCHEIDUNGSTRÄGER UND PLANUNGSBETEILIGTEN

Die Werkzeuge wurden für geplante Projekte der Nutzungsarten Wohnen, Gewerbe und Einzelhandel entwickelt. Die Ergebnisse des RegioProjektCheck sollen den Meinungsbildungsprozess bei Planungsentscheidungen in einer sehr frühen Phase, bereits weit vor dem Bebauungsplanverfahren, unterstützen. Es geht darum, die Diskussion in informellen Planungsgesprächen oder kommunalpolitischen Gremien mit hilfreichen Informationen, Trendaussagen und Daten zu qualifizieren. RegioProjektCheck ermöglicht es zum Beispiel auch, Planungs- oder Standortvarianten auf ihre unterschiedlichen Auswirkungen hin zu untersuchen und deren Wirkungen miteinander zu vergleichen. RegioProjektCheck nimmt den zuständigen oder betroffenen Akteuren vor Ort also keine Planungs- oder Genehmigungsentscheidungen ab und trifft in der Ergebnisdarstellung auch keine Entscheidungen für oder gegen die Umsetzung eines Projektes, sondern soll dem Nutzer qualifiziertes Abwägungsmaterial an die Hand geben. Durch den sehr frühzeitigen Einsatz kann RegioProjektCheck Trendaussagen treffen, für die teilweise auf allgemeingültige Kennwerte zurückgegriffen wird. Später erforderliche Fachgutachten und Einzelfallprüfungen (z. B. hinsichtlich Umweltverträglichkeit, Verkehrsbelastungen oder städtebaulichen Auswirkungen) kann und soll RegioProjektCheck nicht ersetzen.

RegioProjektCheck ersetzt damit nicht die planerische und politische Abwägung, sondern will die Akteure unterstützen, Auswirkungen von einzelnen Projekten besser erkennen, bewerten und vergleichen zu können. Dies geschieht mithilfe eines GIS-gestützten Werkzeugkastens und unter Einbeziehung der jeweiligen regionalen Rahmenbedingungen im Bereich der Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung.

Zielgruppe für den Einsatz der neuen Werkzeuge sind Vertreterinnen und Vertreter aus den kommunalen und regionalen Verwaltungen sowie der Politik, aber auch aus der Wirtschaft und Zivilgesellschaft - letztlich alle Akteure, die an Raumnutzungsentscheidungen beteiligt sind.

Funktionsweise des GIS-gestützten Werkzeugkastens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MODELLANSATZ UND ART DER PROJEKTE

 
Mit dem RegioProjektCheck können die Wirkungen geplanter Wohngebiete, Gewerbeflächen und Einzelhandelsansiedlungen untersucht werden. Art und Größe dieser Projekte können sich grundsätzlich voneinander unterscheiden und die zu erwartenden Wirkungen hängen von sehr unterschiedlichen Faktoren ab.

Bei der Planung von Wohngebieten liegen oft klare Vorstellungen vor, wie sich das Gebiet entwickeln soll. Die Möglichkeiten, diese klaren Vorstellungen auch umzusetzen, sind vergleichsweise gut. Grundlegende Kenngrößen sind zum Beispiel Vorgaben zu den Gebäudetypen bzw. den Bebauungsstrukturen. Damit verbunden sind auch Fragen der Flächenbilanz, der Anzahl der Wohneinheiten oder der Eigentumsverhältnisse. Die durch ein neues Baugebiet induzierten Wohnstandortwechsel erfolgen im Wesentlichen innerhalb der Region. Um die Auswirkungen auf die bestehenden regionalen Strukturen abbilden zu können, sind dem RegioProjektCheck Modelle zur Abbildung der gebietsinternen, kommunalen und regionalen Bevölkerungsentwicklung hinterlegt, bei denen bestehende Verflechtungen zwischen den Kommunen berücksichtigt werden.

Die Wirkungen, die von neuen Gewerbeflächen ausgehen, sind neben der baulichen Grundstruktur des Gebietes im hohen Maße von den sich ansiedelnden Betrieben abhängig. Die Wirkungen eines gestalterisch anspruchsvollen Gewerbegebietes mit hochwertiger Grünausstattung unterscheiden sich zum Beispiel erheblich von einem Logistikstandort, bei dem eine großflächige Parzellierung und eine optimale Verkehrsanbindung im Vordergrund stehen. Durch die Festlegung eines Gebietstyps und unter der Annahme, dass sich Betriebe aus verschiedenen Branchen ansiedeln, werden die Nutzungs- und Bebauungsstruktur sowie die Entwicklung der Beschäftigten geschätzt. Da bei der Planung von Gewerbegebieten nicht im Detail gesagt werden kann, welche Betriebe sich ansiedeln werden, kann vor allem durch den Vergleich alternativer Entwicklungspfade die Spanne zu erwartender Wirkungen aufgezeigt werden.

Flächen für neue Einzelhandelsstandorte werden branchenübergreifend in der Regel vorhabenbezogen entwickelt, d. h. es ist zu Beginn der Diskussion um einen neuen Standort bereits möglich, Aussagen zur ungefähren Bruttogeschoss- und Verkaufsfläche, zur versiegelten Fläche und zu den geplanten Betrieben bzw. Branchen zu machen. Dies kann als Grundlage für die Berechnungen in den unterschiedlichen Wirkungsfeldern im RegioProjektCheck verwendet werden. Vor dem Hintergrund, nach Möglichkeit eine wohnortnahe Grundversorgung mit Gütern des periodischen Bedarfs wie Lebensmitteln zu gewährleisten, steht die Konkurrenzsituation von Lebensmittelmärkten und deren Versorgungsfunktion im besonderen Fokus der Betrachtung (vgl. Wirkungsfeld Standortkonkurrenz Supermärkte).

 

Abschlussbroschüre zum Download:

Laufzeit 09/2010 bis 12/2014
Förderkennzeichen 033L019A